Selbsthilfe

Missbrauch Münster

Aktuelles

31.08.2020

Seit dem 26.08.2020 gibt es den von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) angekündigten Bericht zum Missbrauch in den Orden. Er ist unter dem folgenden Link einsehbar:

https://www.orden.de/aktuelles/meldung/?no_cache=1&tx_ignews_newsdetail%5Bnews%5D=4163&tx_ignews_newsdetail%5Baction%5D=show&tx_ignews_newsdetail%5Bcontroller%5D=News&cHash=8ca012df208cfed309665602098b8085

Der 11-seitige Bericht besteht im Wesentlichen aus einer statistischen Auswertung  eines Fragebogens, der den einzelnen Orden zugesandt wurde.

Da es nur eine statistische Auswertung gibt, ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, welche Orden überhaupt Daten zurückgemeldet haben. Folglich bleibt auch unersichtlich, wie viele Opfer und Täter es bezogen auf die jeweiligen Orden gegeben hat. Niemand von den Betroffenen kann also nachprüfen, ob er /sie  zumindet theoretisch in den gemeldeten Opferzahlen erfasst ist.

Insbesondere die wenig wissenschaftliche Fundierung dieser Erhebung stößt vielfach auf Kritik.

Eine differenzierte Kritik zu diesem Bericht der DOK gibt es unter folgenden Link:

https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-ab-01-05-2020/



17.08.2020

Es gibt einen neuen Flyer „Nulltoleranz, Unterstützung und Prävention“ des Bistums mit gravierenden inhaltlichen Änderungen zum ersten Flyer, der im Sommer 2019 veröffentlicht wurde.

Für Betroffene, aber nicht nur für sie, eine wichtige Lektüre. Der Flyer ist im Internet zu finden unter

https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Rat-Hilfe/Ansprechpartner-sex-Missbrauch/2020-08-Broschuere-FAQ-sexueller-Missbrauch.pdf


Wie wichtig es ist, dass die Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Raum ihre Interessen selbst in die Hand nehmen, zeigt sich zum ein auch den Berichterstattungen zu den aktuellen Fällen in Münster.

Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass örtliche und überregionale Medien den Missbrauchsfall in Münster-Kinderhaus zum zentralen Thema machen und teilweise sogar detailliert bis hin zum Abriss der Gartenlaube berichten. Selbst die Corona-Berichterstattung steht aktuell dahinter ein wenig zurück. Bemerkenswert ist aber auch, wie sehr die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft sich mit dem Thema auseinandersetzen. So gibt es Überlegungen, die aktuellen Fälle in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster zum Anlass zu nehmen, die Strafen für den Kindesmissbrauch selbst, aber auch für die Verbreitung von Kinderpornografie deutlich zu erhöhen. Auch wenn dadurch kein Missbrauchsfall verhindert wird, so hofft man doch, auf diesem Wege die Abschreckung zu erhöhen.


Der Beginn von Ehrlichkeit

Ganz anderes geht man mit dem Missbrauch in der Kirche um. Am Samstag, den 13.06.2020, gab es eine zentrale Veranstaltung in der Pauskirche in Frankfurt unter der Leitung von Bischof Bätzing, der zurzeit Vorsitzender der Bischofskonferenz ist. Obwohl die Veranstaltung bundesweit Beachtung fand, (u.a. Tagesschau, Heute-Journal, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, Süddeutsche Zeitung), die Studie von Bischof Bätzing in der Pauskirche in Frankfurt an Martin Schmitz als Betroffenen und externen Mitarbeiter der Studie überreicht wurde, war dies am darauffolgenden Montag weder den Westfälischen Nachrichten, noch „Kirche und Leben“ eine Zeile wert.

Dagegen titelt die Frankfurter Allgemeine: „Ohrfeige für das „System Kirche““ und „Den Schweigepanzer aufgebrochen“ .

Bei www.katholisch.de heißt es unter anderem: „Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Der Beginn von Ehrlichkeit". Gemeinsam mit Ingeborg Schillai, der Präsidentin der Diözesanversammlung, überreichte Bätzing ein Exemplar des Abschlussberichts an Martin Schmitz als Vertreter der Betroffenen. Schillai betonte, die Ergebnisse der Studie "schreien danach, dass wir endlich wirksam gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche und gegen seine Vertuschung vorgehen".

Bei youtube kann man die Veranstaltung nachträglich ansehen.

Bemerkenswert sind aus Sicht von Betroffenen neben der Rede von Martin Schmitz vor allem auch die Reden von Herrn Bill (Jurist) und des 20-jährigen Opfers Lisa Scharnagel. Die Rede von Herrn Bill beeindruckt, weil er in seinem Beitrag neben dem Leid der Opfer auch die Verantwortung der Kirchenoberen hervorhebt. Lisa Scharnagel macht eindrucksvoll deutlich, wie sie ihre Ohnmacht als Opfer, aber auch die abwertenden Bemerkungen als Mitwirkende der Studie in diesem System wahrgenommen hat und wahrnimmt. Sie betont, wie wenig sich in den letzten 10 Jahren Missbrauchsskandal trotz aller Beteuerungen tatsächlich verändert hat.

Interessant ist auch ein Kommentar aus "Zeit online", in dem der Autor (Andreas Öhler) darauf aufmerksam macht, dass es den "Beginn der Ehrlichkeit" nicht geben kann. In seinem Kommentar fordert er dazu auf, definitiv die Namen der Täter zu nennen.

Quellen: